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Bruder Lustig

Lob & Lästerey//Rezensionen & spinnerte Geschichten//

Rezension

"Hofgang im Handstand" ist ein wunderbares Buch. Voller Weisheit, voller Zärtlichkeit dem Leben gegenüber; und voller Überraschungen. Und es ist ein  Buch über die Reise zu sich selbst. Mit dem Umweg über den Knast. Ich wünsche ihm ganz viele Leser – die nicht nur die außergewöhnliche Geschichte des Uwe Woitzig kennenlernen, sondern sich auch auf die Reise zu sich selbst machen mögen. Das wären sich viele Leser schuldig.

 

Woitzig fällt tief

Uwe Woitzig erzählt offen, sympathisch und amüsant von seinem Leben in den höchsten Höhen – und seinem tiefen Fall. Wobei der Sturz aus den Höhen nur das materielle Leben betraf; und das Ansehen, das er in der Gesellschaft genoss. Und der tiefe Fall ihn eigentlich in ganz andere Höhen geführt hat – zu seiner wahren Bestimmung, zum Einssein mit sich und seinem Karma, zu Einsichten, das unsere Gesellschaft auf Lug und Trug und Blendwerk fußt.
Das Spiel hatte Uwe Woitzig lange mitgemacht, ja, sogar fleißig bedient. Hatte als studierter Jurist sich im internationalen Brokergeschäft einen edlen Namen gemacht, ein eigenes Bankhaus gekauft und geführt und mit Millionen jongliert. Bis die Blase platzte. Etwa so, wie sie viel später in der Bankenkrise noch einmal (wenn auch in größerem Stil) platzte.

Das Glück nimmt seinen Lauf

Und dann nahm das Glück seinen Lauf, das sich erst einmal als Unglück tarnte.
Weil Uwe Woitzig und Kompagnon Klaus sich verzockt hatten (eigentlich der Kompagnon) und die beiden dann das Geld, das noch blieb, einerseits an die Leute verteilten, die in ihrem System ein wenig zu kurz gekommen waren (soviel Altruisimus leisteten sie sich) und sich mit dem Rest aus dem Staub machten.
Die Gesellschaft vergibt viel; aber nicht, wenn jemand die Gier, auf der unser Wirtschaften fußt, erst perfekt bedient, dann steigert und sie schließlich ad absurdum führt und demaskiert. Und nebenbei noch ein paar Millionen beiseite schafft.
Für Uwe Woitzig, der sich bis dahin in allerfeinsten Kreisen der Finanz- und Politwelt bewegte, der mit milliardenschweren griechischen Reedern befreundet war und deutsche Staatsoberhäupter in seinem geselligen Vorprogramm auftreten ließ, bedeutete die harte Landung fünf Jahre in einem deutschen Knast.

Woitzigs Wandlung

Doch hier setzt eine Wandlung ein, die uns tief berührt und die allmählich die Überzeugung festigt, dass die wirklich guten Menschen, die Ensichtigen, Klugen und Weisen eher im Gefängnis leben und die Dummen, Raffgierigen und Beschränkten in freier Wildbahn.
Uwe Woitzig trifft Gelassene und Gurus, Menschen mit tiefgründigen Einsichten und Freunde, die ihm geistig und seelisch mehr geben, als er jemals vorher in der feinen Gesellschaft bekommen hat.

Knast als Form von Freiheit

Am Ende merken wir, wenn wir offen sind für diese Eindrücke: Uwe Woitzig hat seine Lektion wirklich gelernt. Und seine Einsicht besteht nicht nur darin, jede weiteren Kontakt mit dem Knast zu vermeiden. Er hat zu sich gefunden; und damit zu einer Form von Freiheit, die er vorher nie kannte und die ihm auch der Knast nicht einschränken konnte.
Knast kann jeden treffen; das geht mitunter schnell. Wer meint, davor gefeit zu sein, der lebt geistig in einem viel finstereren Loch als der übelste Knast jemals sein kann. Und wer in der sogenannten freien Gesellschaft nur nach Materiellem strebt, der ist unfreier als jeder Knacki. Nach der Lektüre des Buches wünsche ich mir eigentlich, dass da so mancher Unerweckte diese Knast-Erfahrung einmal machen würde – die Welt wäre ein besserer Ort. 

Interview

 

Mittwoch, 11. Juli 2012

Die Hochbegabung

Zeitung für Hochbegabte

Hofgang im Handstand – Mein Weg in die Freiheit von Uwe Woitzig

 "Zwei elementare Katastrophen sind es, die den Menschen seit jeher schicksalhaft heimgesucht haben: Krankheit und Krieg. Beide haben den Menschen immer wieder dazu veranlasst, notwendige Fragen zu stellen, nach dem Lebenssinn, …. Es gibt noch eine dritte elementare Katastrophe: das Gefängnis … Ins Gefängnis zu kommen ist wie ein kleiner Tod.“

So beginnt der Autor sein Vorwort zu „Hofgang im Handstand“, ein aus meiner Sicht lesenswertes Buch, in dem er seinen Niedergang aus einer Welt schildert, in der wohl viele von uns sehr gerne viele leben würden, einer Welt, in der einem alles zur Verfügung steht, was man für Geld kaufen kann, die tollsten Ferienorte, die tollsten Hotels, ein Leben in Saus und Braus in der „High Society“ der Stars und Sternchen.

Und doch bemerkt Uwe Woitzig, der mit 35 Jahren als Eigentümer einer Privatbank mit Büros in Monte Carlo und New York bereits alles erreicht hat, wie oberflächlich die zwischenmenschlichen Beziehungen in dieser Welt der Reichen und Schönen sind. Doch bewusst machen, sich dieser Tatsache stellen, das kann er (noch) nicht!

Erst als er die Renditeversprechen, die er seinen Kunden gemacht hat, nicht mehr einhalten kann, sein berufliches Werk wie ein Kartenhaus zusammenbricht und er sich letztendlich nach einer mehrere Wochen dauernden Flucht vor den Behörden der Justiz stellt, beginnt bei ihm ein Prozess des Umdenkens, der er in diesem Buch auf beeindruckende Art geschildert wird.

Zunächst scheint der Vergleich, den er zwischen dem Leben im Knast und dem Alltag des Menschen in unserer modernen Gesellschaften weit hergeholt. Wer möchte schon gerne zugeben, dass der Alltagstrott, mit seinen mehr oder weniger geduldeten Fremdbestimmungen, im Grunde auch nichts anderes als ein virtuelles Gefängnis ist.

Seine These ist, dass wir alle die Fähigkeiten haben, die Fesseln unserer inneren Gefängnisse zu sprengen, „wie ein Phönix aus der Asche, gestärkt an Körper, Seele und Geist, selbst-bewusst – das heißt, sich seines Selbst bewusst – wieder aufstehen aus den Trümmern eines dahindämmernden Lebens, um den Mast zu setzen, den Anker zu lichten und den alten Hafen mit den durch die Familie, Schulen und Universitäten erzeugten Programmierungen und den angenommenen roboterhaften Verhaltensautomatismen zu verlassen. Um von nun an authentisch, das heißt natürlich und gelöst, zu leben. Und dadurch nicht nur die Früchte der bedingungslosen Liebe zu pflücken, sondern auch das Glück des inneren Gleichmuts und der individuellen Freiheit erfahren zu können.“

Die grundlegende Botschaft lautet: „Nimm alles, was dir widerfährt, dankbar an!“

Getrieben von diesem Leitsatz beschließt Woitzig, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, Kapitän seines Lebens zu werden. Dazu nutzt er die Zeit im Gefängnis, das, wie er schreibt „ihn vor der Gesellschaft schützt“. Will sagen, vor dem so sein zu müssen, wie man meint, sein zu müssen.

Er schildert das Prinzip des Pendels, nachdem nur ein Mensch, der großes Leid empfinden kann, auch zu großer Freude fähig ist. „Demzufolge muss jeder Mensch sich entsprechend weit zur anderen Seite des Empfindens bewegt haben, bevor er in der Lage ist, große Freude oder Glück zu erleben.“

So begibt sich der Leser mit dem Autor auf die Reise zu seinem wahren Wesen. Von den bedrückenden Angstgefühlen, die einen beim bloßen Gedanken an eine Gefängniszelle heimsuchen, über die inneren Konflikte, ausgelöst durch den Spagat zwischen „Zulassen und Loslassen“ des eigenen Egos, der Ereignisse, hin zu den neuen Erfahrungen des Lebens im „Hier und Jetzt“, getragen vom dankbaren Annehmen dessen was ist.

Der Leser wird in vielen Phasen dieses Buches Trittbrett fahren und sich der Selbstreflexion hingeben (müssen). Er wird vieles auf den Prüfstand stellen, was er tagtäglich mit seinem Leben anfängt und was er sich damit antut.

Und das ist gut so!

Für mich ein Buch, das Mut macht. Mut,

-  den Lichtstrahl auf das Leben zu lenken

-   sich und seine Verhaltensweisen und Gedankenspiele zu hinterfragen

-  sich dem Fluss des Lebens hinzugeben

-    sich aus dem inneren Gefängnis nach und nach zu befreien.

Für mich ein sehr authentisches Buch!

André Leyens
Link

 

22. April 2012: Libri - Rezension
Ein äußerst lesenswertes Buch von anon

Ich habe das Buch Hofgang im Handstand von Uwe Woitzig gelesen.
Eines der interessantesten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Uwe Woitzig hat sich in der Welt der Wallstreet und des internationalen Jetsets bewegt, bis er eine Haftstrafe wegen Betrugs absitzen musste.

Er schildert sehr interessant, wie er die Abhängigkeiten und Zwänge seines bisherigen Lebens mit der Situation in Haft verglichen hat. Ebenso schildert er sehr glaubhaft, wie ihn die Haft zu persönlicher Freiheit geführt hat. Zunächst war ich sehr skeptisch. Prominente etc., die solche Situationen nutzen, um mit der negativen Erfahrung durch Bücherschreiben Geld zu verdienen, gibt es genug.

Hier bin ich anderer Überzeugung. Da meint es jemand ehrlich und was er schreibt ist für jeden wertvoll.

Einige Auszüge (nur aus ...dem Vorwort):

Eine Verhaftung ist ein massiver Eingriff in das Leben aller dadurch Betroffenen...Aber sie ist auch eine Riesenchance, wenn man es im Sinne des freudschen Über-Ichs versteht, das sich selbst bestraft, um ein schuldhaftes Verhalten zu kompensieren... Die große Frage ist, wie gehe ich mit dieser Situation um meine Freiheit zu erlangen und zu erhalten. Die Antwort lautet: durch eine Veränderung der Sichtweise. Die Weisen sehen sowohl die Vorgesetzten als auch die Justizbeamten als bloße Werkzeuge des Schicksals. Sie sind Knopfdrücker, dazu da, um den virtuellen oder realen Gefangenen an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen... Jedes Gefängnis bietet einem darin Lebenden die Möglichkeit der Entwicklung zu einem psychisch stabilen Menschen...

Ein Nelson Mandela hat auf diese Weise seine Gefängniszeit genutzt, weil er etwas besaß, das man Resilienz nennt. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Werkstoffphysik und bezeichnet dort die Eigenschaft, wie etwa Gummi nach einer Phase großer Spannung wieder unversehrt in die alte Form zurückzuspringen.

Aus meiner Sicht ein tolles Buch.

 

19. April 2012: Amazon-Rezension

Exzellente Darstellung - hätte mir noch mehr Werte gewünscht

Von Klaus Jürgen Becker "klausjuergenbecker" (Seefeld)

Uwe Woitzig beschreibt in diesem Buch nicht nur seine Zeit im Gefängnis, sondern es gibt immer wieder Rückblenden zu seinem alten Leben. Manchmal musste ich schmunzeln über die raffinierten Wege, sich sein Leben zu gestalten, auch innerhalb des Gefängnisses.

Neu war für mich, welche großen Unterschiede im Strafvollzug es von Gefängnis zu Gefängnis gibt: Vom einem erträglichen Männerwohnheim bis hin zu einem sehr unangenehmen Knast-Alltag hat uwi Woitzig wohl alles kennen gelernt. Interessant ist die Vorliebe des Autors für den spirituellen Mystiker Osho (ehemals Bhagwan) und die tantrische Philosophie, welche er am Schluss des Buches erläutert. Ich finde eine persönliche Parallelen zwischen dem, was Woitzig berichtet und meinem eigenen Leben.

Auch ich war Vermögensberater, auch ich hatte eine Finanzkrise und auch zu mir kam Osho als Lehrer, der mir half, diese Zeit zu durchschreiten. Der Autor schreibt sehr authentisch und bildreich, sein Erleben ist in der Phantasie gut nachspürbar. Das Buch regt auch dazu an, die Art und Weise wie Werte in der Gesellschaft gelebt werden zu hinterfragen. Interessant war für mich, dass ofenbar im Gefängnis die Insassen oft authentischer und ehrlicher sind als draußen.

Der Wert der Authentizität und der Annahme dessen "was ist" zeigt sich in dem Buch wie eine offene Blüte. Ich selber entdeckte in späteren Jahren, dass Werte für das eigene Rückgrat sehr wichtig sind - ungeachtet dessen, was in der Gesellschaft "gespielt" wird und wie authentisch oder unauthentisch die anderen sind. Mit Rajinder Singh kam später ein anderer geistiger Lehrer in mein Leben, doch ich bin dankbar für all das, was Osho mich gelehrt hatte und was Osho offenbar auch an Uwe Woitzig vermittelt hatte. Sehr spannend fand ich Hinweise des Autors, wie sich die eigenen Prioritäten im Laufe der Jahre durch den Gefängnisaufenthalt verändern.  Ich erlebe auch sehr viele spannende Selbstreflektionen in diesem Buch - bezüglich der Veränderung der eigenen Werte hätte ich mir gerne noch weitere Ausführungen gewünscht.

 

11. April 2012: Amazon-Rezension
"Sehr zu empfehlen"

von 


Das Buch von Uwe Woitzig hat mich sehr bewegt.
Er zieht Parallelen zwischen seinem realen Gefängnisaufenhalt zum Alltag schlechthin im ganz normalen Berufsleben und daran ist sicher viel Wahres. Die Weisheiten, die er dort erlernt, sind sicher im Normalfall nicht in 14 Monaten zu begreifen und zu verinnerlichen, wichtig ist nur die Transformation an sich, die er durchlebt und damit die Botschaft, die er weitergeben möchte. Dazu ist das Buch sehr sehr spannend geschrieben,
ich habe es verschlungen. Zum einen war es für mich interessant zu erfahren, wie er die Welt der Reichen beschreibt und wie dort mit Millionen hantiert wird. Die Menschen jagen dem Reichtum hinterher, egal ob sie schon reich sind oder nicht, die Zahlen sind nur andere. Zum anderen hat es mich schockiert, was in deutschen Gefängnissen so abgeht.

Ich habe oft Tränen gelacht beim Lesen des Buches und ein andermal einen ganzen Tag über das nachgedacht, was ich dort an Denkanstößen mit auf den Weg bekommen habe. Es hätte sicher auch das Potential zu einem guten Film.
Link

28. Februar 2012: Erfüllende Bücher und Filme

Eine radikale Wandlung - Uwe Woitzig: Hofgang im Handstand

 

Uwe Woitzig ist bzw. war Investment-Banker, allerdings keiner der mit den aktuellen Krisen zu tun hat. Sein Leben war die High Society und das große Geld. Bis sein Firmenimperium Mitte der 80er Jahre zusammenbrach und er wegen Betrugs in 3-stelliger Millionenhöhe für 5 Jahre hinter Gitter kam.

Dort stellte er sehr schnell fest, das er in seinem Leben vorher keinesfalls so frei war, wie er immer angenommen hatte. Vielmehr haben ihn die Regeln, die in der High Society gelten in weitaus größere Unfreiheit geführt, als es Gefängnismauern können. Sein Buch “Hofgang im Handstand” beschreibt überwiegend seinen inneren Weg, gewürzt mit vielen Anekdoten und Ereignissen. dabei spielen das oft geistlos Treiben des Geld-Adels eine Rolle.

Die unmittelbaren Erfahrungen im Knast und die entstehenden engen Freundschaften mit außergewöhnlichen Menschen sind authentischer als fast alles, was er in der Zeit der Jagd nach dem Geld erfahren konnte. Und so ist diese Zeit im Gefängnis für ihn eine großartige Chance, eine Lehrzeit auf dem Weg zu wahrer innerer Freiheit. Er nutzt diese Zeit, um sein Leben wieder “vom Kopf auf die Füße zu stellen”. Dabei verschweigt er keineswegs eigene Irrwege und Fehleinschätzungen aber auch die Macht, die der Geist über die Ereignisse hat, wenn er in sich ruht.

Das Ganze ist sprachlich ansprechend geschrieben und alles in allem ein sehr glaubhaftes Buch einer radikalen Wandlung vom “Saulus zum Paulus”.

Prädikat: Wirklich lesenswert.

 

20.12.2011: Magazin "Wege", Heft 4, Ausgabe Dezember 2011, S. 58:

 

Zehn Jahre war der Autor Finanzjongleur in der Welt der Superreichen. Und dann der totale Lebenscrash: Verurteilt zu 5 Jahren Gefängnisaufenthalt! Für das erfolgsverwöhnte Finanzgenie entpuppte sich der scheinbare Absturz als DER Wendepunkt seines Lebens. Hinter Schloss und Riegel, bei seinen Mithäftlingen entdeckt er erstmals "wirkliche Menschlichkeit".
Und weil man im Gefängnis auch eine Menge Zeit zum Lesen hat, integrierte er nach und nach die Weisheiten Oshos, des Buddhismus und des Tantra in sein Leben. In Rückblenden gewährt Woitzig tiefe Einblicke in die Machenschaften des Finanzsystems, die auch nach 20 Jahren nichts an ihrer Aktualität verloren haben. Das Buch liest sich wie ein Krimi ... mit einer nachvollziehbaren spirituellen Botschaft.
Sehr zu empfehlen.


28.10.2011: Was das Leben wertvoll macht - von Michael Lehmann-Pape

Da ist er. Einer der vielbetrachteten Banker. Nicht einer der ganz aktuellen Krise, nein. Aber einer dieser 'Art'. Dessen Lebensgeschichte zeigt, wie 'Gier Hirn frisst'. Vor allem aber einer, der erwischt wurde. Betrug in Millionenhöhe, Verurteilung und fünf Jahre Haft.

Das sind die dürren Fakten, erst einmal, die allerdings Uwe Woitzig in seinem Buch (das nicht nur autobiographisch Erinnerungen in sich trägt, sondern tatsächlich über dieses persönliche Erleben hinaus Wertfragen stellt und Antwortversuche gibt, die von ganz allgemeinem Interesse und von allgemeiner Wichtigkeit sind) in beredeter Sprache und mit tatsächlichem Tiefgang aufarbeitet.
Dabei ist irgendwann bei der Lektüre weniger interessant, was Woitzig als sich bereichernder Banker für eine Persönlichkeit darstellt (obwohl die 'Anekdoten' erhellend und interessant zu lesen sind), viel spannender werden im Lauf der Lektüre jene grundsätzlichen Erkenntnisse und Fragen, die Woitzig aufwirft und die im Untertitel des Buches treffend zur Geltung kommen: 'Mein Weg in die Freiheit'.


Denn Gefängnis, das heißt für Woitzig eben nicht nur Haft hinter Gittern. 'Gefängnis' findet er (und bei einigem Nachdenken jeder) in fast jedem Leben. Das 'eigene Gefängnis', das man sich baut. 'Innere Freiheit', dies entpuppt sich für Wotzig als das wahre Ziel, der größte Wert. Ein Wert, ein Zustand, den er im 'Leben draußen' auch im Vorfeld seiner Verhaftung nicht wirklich kannte. Trotz aller materieller Möglichkeiten, die sich ihm boten. Und nun die entscheidende Frage, der er im Gefängnis nachgeht. Wie kann er, wo liegt für ihn jene 'innere Freiheit', die ein Leben löst von all den Stricken und Halterungen des verbreiteten 'Alltagsgefängnisses' der Menschen?

Fragen, die sich Woitzig ganz direkt auch stellen, denn zunächst berichtet er durchaus ausführlich von seiner Eingewöhnung in die Welt 'hinter (sichtbaren) Gittern' und zeigt schon in diesen Passagen auf, dass er durchaus willens (und fähig) ist, zu reflektieren. Sich das Geschehen, vor allem aber die Menschen um ihn herum genau anzusehen.
Sich selbst zudem. Sein bisheriges Leben, Menschen an sich, Werte von persönlicher Bedeutung. Wie einen Ort der inneren Meditation nutzt Woitzig seine Haftzeit, mit klarem Blick auf vieles, was ihm in seinem temporeichen und aus dem Vollen schöpfenden Leben vorher den Blick verstellt hat.
'Klammere Dich an Nichts, nicht einmal an Dich selbst'.


Im letzten Kapitel des Buches, dem Anhang, fasst Wotzig seine Erkenntnisse in den Worten des Tantra zusammen. 'Vergiss die Gewohnheiten, sie sind Prägungen, aber keine Freiheit', denn 'zur Bewusstheit gehört Freiheit' und einiges Mehr an klaren Sätzen fassen hier seine Erkenntnisse der Haftzeit konzentriert zusammen.

So bildet das Buch einen beachtenswerten und im sprachlichen Stil flüssig nachzuvollziehenden inneren Weg eines Mannes ab, der deswegen so glaubwürdig erscheint, weil Woitzig tatsächlich die verschiedenen Seiten der Medaille kennt. Die Fixierung allein auf das 'äußere Leben' mit allen einhergehenden 'Gefangennahmen' und die Entdeckung des 'inneren Lebens' mit allen einhergehenden Befreiungen, ohne jede Haftung zu verlieren.


Eine empfehlenswerte Lektüre in einer materiell hörigen Welt.

Link

 

02.11.2011: Internetportal "esoterikmesse.de"

"Wir alle leben in irgendwelchen Gefängnissen"

Buch des Monats OKTOBER 2011 von Alexander H. Dohn:
"HOFGANG IM HANDSTAND" - Mein Weg in die Freiheit
von Uwe Woitzig

   
     

"Mein Weg in die Freiheit", so der Untertitel, den Uwe Woitzig seinem Buch mitgibt. Sehr treffend, aber auch sehr dezent ausgedrückt. Diese Bezeichnung gilt für das ganze Buch. Alles sehr treffend, auf dem Punkt, dabei aber nie laut, nie marktschreierisch. Dabei ist das Leben und die Lebensgeschichte des Uwe Woitzig alles andere als dezent und zurückhaltend.

Die Geschichte die dieser ungewöhnliche Mann erzählt, beginnt als er als Anlage- und Finanzberater in den 70´iger 80´iger Jahren in München, in New York und natürlich auch in Monaco zuhause ist. Er bewohnt eine feine Traumvilla in Grünwald, der Jetset, die Geschäfte, das Leben als Millionär und Sunnyboy führt ihn jedoch um die ganze Welt.

Die Welt der Feinen, die Welt der Reichen und die Welt der Schönen (oder auch nicht: O-Ton Woitzig!) in diesen Welten bewegt er sich, fühlt er sich wohl und macht er seine großartigen "Millionengeschäfte". Damit ist allerdings eines Tages abrupt Schluss. Die Staatsanwaltschaft München erlässt Haftbefehl, Uwe Woitzig soll seine Anlagegeschäfte gänzlich auf Betrug aufgebaut haben. Ein dreistelliger Millionenbetrag ist durch diverse Spesen, Lebenshaltungskosten und sonstigen Luxus verbraten worden. Der Preis: Verurteilung zu 5 Jahren Haft.

Der Wechsel der Lebensgewohnheiten vom puren Luxus ins triste Knastleben trifft ihn herbe. Das kann jeder nachvollziehen. Erstaunlicherweise erfährt Uwe Woitzig im Knast allerdings seine persönliche Transformation. Was andere Menschen wahrscheinlich zerbrechen lässt, Uwe Woitzig nimmt die Chance an und vollzieht eine radikale Wandlung.

Er beginnt zu meditieren, er liest die Bücher Oshos, er beschäftigt sich mit Buddhismus, er praktiziert schamanische Techniken und er wird zu einem anderen Menschen. Das macht diesen ehemaligen Millionenbetrüger schon wieder sympathisch. Die Wandlung die Uwe Woitzig beschreibt liest sich äußerst spannend. Seine Gedanken sind tiefgründig, ironisch, selbstreflektierend, sozialkritisch und ermutigend.

Ein außergewöhnlicher Mensch der sich dem Leser da präsentiert. Seine abenteuerlichen Geschichten, seine Selbstreflexion, sein Wandel vom Saulus zum Paulus, das alles liest sich einfach sehr, sehr spannend. Man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand geben, so fesselt einen diese Lebensgeschichte und Lebensbeichte.

Was ist aus diesem erstaunlichen Menschen geworden? Laut Klappentext hat er sich nach Verbüßung seiner Strafe in die Berge zurückgezogen.

In totaler Einsamkeit - nur mit zwei Hunden - soll er in der Abgeschiedenheit der Tiroler Berge gelebt haben. Heute ist er als Unternehmensberater und freier Autor tätig. Seine Lebensbereiche sind im Allgäu und an der Amalfiküste.

Na, das hört sich doch gut an: vielleicht folgt ja bald ein neues Buch des umtriebigen Uwe Woitzig.
Schön wäre es - der Mann hat was zu sagen!

   

 

Sonntag, 25. September 2011: Buchbewertungen

„Wir alle leben in irgendwelchen Gefängnissen. Dabei ist es unerheblich, ob es die Gefangenschaft im Materiellen, die Angst um die Gesundheit und vor jeder Veränderung, ob es das Sucht- oder das Liebesgefängnis ist. Wir alle sind gefangen in gesellschaftlichen Strukturen und Verpflichtungen, in unseren Verbindlichkeiten, Sehnsüchten und Scheinbedürfnissen.“

Uwe Woitzig, einst Anlageberater mit eigener Privatbank und bekannte Größe der Münchener High Society, wird 1988 wegen eines Betrugs in Millionenhöhe zu fünf Jahren Haft verurteilt. Dabei ahnt er noch nicht, dass sich nun nicht nur seine äußeren Lebensumstände von Grund auf ändern werden, sondern vielmehr auch seine innere Einstellung zum Leben selbst. Die Zeit im Gefängnis nutzt er in positiver Weise, um über den eigentlichen Wert des Lebens nachzudenken. Immer wieder kommt er zu der Erkenntnis, dass es auch eine Gefangenschaft außerhalb des juristischen Strafraumes gibt. Die Gefangenschaft im täglichen Leben. Was bedeutet eigentlich Glück? Was Zufriedenheit oder Erfolg?

In der ersten Phase des Gefängnisaufenthalts ging es hauptsächlich darum, die neue Umgebung als Lebensmittelpunkt anzuerkennen und eine Verdrängung zu vermeiden. In der folgenden Zeit lernt Woitzig viele interessante Menschen kennen und philosophiert zudem über deren Verhalten, wie etwa die Tatsache, dass Menschen in der Konfrontation mit sich selbst häufig in Wut geraten. Mit Themenfeldern wie Meditation, Ursache-Wirkung, Schuld und Karma setzt er sich nun zum ersten Mal in seinem Leben aufrichtig auseinander und erkennt viele gewinnbringende Elemente, die ihn geistig wachsen lassen. Unter anderem gehört dazu etwa die Reflektion seiner Vergangenheit, die Beschäftigung mit der Welt als duales System oder aber auch die Manipulierbarkeit der Massen.

Den Prozess der geistigen Veränderung beschreibt der Autor aus seiner persönlichen Perspektive und lässt den einzelnen Leser an seiner gedanklichen Umkehr teilhaben. Berichte aus seiner Vergangenheit, die sich um die Themen wie Börse, Trade, Gewinn, aber auch Macht und gesellschaftliches Ansehen drehen, liefern interessante Einblicke in sein bisheriges Leben. Das Buch regt selbst zu einem Umkehrprozess an, indem man als Leser an der Veränderung des Autors teilhaben darf. Am Ende seiner Strafe blickt Woitzig in fast schon dankbarer Weise auf die Zeit im Gefängnis zurück. Er beschreibt diesen Ort sogar als bessere Umgebung zur Selbsterkenntnis als ein Kloster, weil dort durch ein ständiges Kommen und Gehen die Verbindung zur Realität nicht abreißt.

Fazit: Neue Weisheit und eine ausgeglichene innere Grundhaltung durch die Zeit im Gefängnis.

 

17.09.2011: Libri - Rezension

Ein sehr gelungenes Buch mit einer hohen gesellschaftspolitischen Relevanz

von stormy_weather

Ich habe neulich Konstantin Wecker im Fernsehen gesehen und er empfand seine Zeit im Knast als Gnade, die ihm das Leben rettete. Der Autor des Buches steht also nicht allein da mit seinen Ansichten.

In Deutschland gab es 2010 kaum glaubliche 5,9 Mio Ermittlungsverfahren mit 2,1 Mio Tatverdächtigen (Kriminalstatistik). Hintergrund ist, dass es in unserem Land inzwischen mehr als 115.000 Paragrafen gibt. Die Anwälte kommen kaum noch nach in der Ergänzung ihrer Gesetzessammlungen bei der steten Flut von neuen Gesetzen und Gesetzesänderungen. In Europa gibt es noch mal so viel. Steuerberater sind genauso betroffen und ständig auf Fortbildungslehrgängen unterwegs. Bei dieser Unmenge von Gesetzen bleibt es nicht aus, dass ein Bürger leicht kriminalisiert wird. Schon allein deshalb, weil er die Gesetzeslage gar nicht mehr kennen kann macht er Fehler.

In New York z.B. landet man drei Tage im Knast, wenn man auf dem Bürgersteig Fahrrad fährt. Keine Ahnung, ob das bei uns auch schon der Fall ist. Diese Gefahr von Seiten der Bürger sieht auch der Staat so, weshalb es inzwischen 260.000 Polizisten und 196 JVAs in Deutschland gibt. Gerade kommt in Augsburg eine weitere hinzu. Baukosten: 100.000.000 Euro. Die Bundeswehr soll dagegen auf 180.000 Mann herunter gefahren wird, die Bedrohung wird also eher von innen als von außen gesehen. Wenn man bedenkt, dass es ca. 12.300 Städte und Gemeinden in Deutschland gibt und annimmt, dass davon jede eine Polizeistation besitzt und weiterhin annimmt, dass jede Polizeistation pro Tag durchschnittlich nur eine Person inhaftiert (in den Großstädten sind es viel mehr, auf dem Land weniger) dann gäbe es In Deutschland 4.489.500 vorläufige Festnahmen jährlich.

Ziehen wir die Mehrfachtäter usw. ab und gehen davon aus, dass letztendlich nur 1 Mio Personen kurz ¿ oder langfristig hinter Gittern landen, dann sind das unglaubliche Zahlen ¿ die leider nirgendwo veröffentlicht werden, weshalb ich nur spekulieren kann.

Bei dieser Gemengenlage hat Woitzigs Buch mit seiner völlig anderen Sichtweise des Knastes eine zeitlose, gesellschaftspolitische Bedeutung. Ich habe es mit ständig wachsender Begeisterung gelesen.

 

15.09.2011: Amazon-Rezension

Osho trifft Steve McQueen

Von 

nussini61
Rezension bezieht sich auf: Hofgang im Handstand: Mein Weg in die Freiheit (Gebundene Ausgabe)

Ich musste beim Lesen des faszinierenden Buches an den legendären Schauspieler denken, weil die Knaststory von Woitzig mich manchmal an seinen Film 'Papillon' erinnerte. Die Rückblenden, in denen er von seinem Jetset-Leben berichtet, ließen Bilder aus McQueens Film 'Thomas Crown ist nicht zu fassen' in mir aufsteigen.

Wie Thomas Crown ist auch Woitzig trotz seiner Inhaftierung 'nicht zu fassen', weil er sich mithilfe der Erkenntnisse von u.a. Osho im Knast eine innere Freiheit schafft, die die Beeinträchtigungen seines Lebens durch Gitterstäbe, Betonwände und Wachpersonal auflösen.

 Der Autor ist anscheinend ein Wanderer zwischen zwei extremen Welten gewesen. Vor seiner Haft war er ein international sehr erfolgreicher Investment Banker mit Büros in der ganzen Welt.

In dem Buch schildert er sehr detailliert die Vorteile seines Lebens hinter Gittern vor und nach seiner Verurteilung.

Dabei erinnert er sich an das verlogene Gewese der internationalen Finanzwelt und auf den Parties der Superreichen in Monte Carlo. In beiden Welten hat er sich fast 10 Jahre lang parkettsicher bewegt.

 Sehr erstaunlich, aber am Ende des Buches nachvollziehbar für mich war, dass Woitzig meint, im Knast eine größere Freiheit gehabt zu haben als in seinem scheinbar so erfolgreichem Leben vorher.

 Wobei ich den Anfangsverdacht der zu rosaroten Brille schnell wieder ablegte, weil er auch die 'andere Seite' des Knastes, nämlich die der Demütigung und Unterdrückung, nicht verschweigt.

 Ein wirklich lesenswertes Buch, das mich zum Nachdenken über mein Leben anregte.